Warum der Jahreswechsel keine Bedeutung hat – und trotzdem alles bedeutet

Autor: alexander Wagandt in Weltenbühnen Programm15 Kommentare

1. Januar 2026  
Willkommen im neuen Jahr.

Oder besser gesagt: Willkommen am Tag nach dem 31. Dezember 2025 – einem Datum, das Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 zum offiziellen Ende eines Zyklus erklärt hat, den wir seitdem „Jahr" nennen.

Das klingt zynisch. Ist es nicht. Es ist präzise.

Denn die Frage, die sich heute stellt, ist nicht: „Was willst du im neuen Jahr erreichen?" Die Frage ist:


Was ist real an diesem Übergang – und was ist Konstrukt?


Das Konstrukt: Ein päpstliches Dekret und kollektive Übereinkunft

Fangen wir mit den Fakten an.

Der 1. Januar als Jahresbeginn ist eine willkürliche Festlegung. Papst Gregor XIII. hat 1582 den nach ihm benannten gregorianischen Kalender eingeführt, um den vorherigen julianischen Kalender zu korrigieren. Die Entscheidung, dass das Jahr am 1. Januar beginnt und am 31. Dezember endet, ist keine kosmische Wahrheit. Es ist ein administrativer Akt.

Andere Kulturen haben andere Jahresanfänge:

  • Das chinesische Neujahr richtet sich nach dem Mond und fällt auf unterschiedliche Daten zwischen Ende Januar und Mitte Februar.
  • Das islamische Neujahr folgt einem Mondkalender und verschiebt sich jedes Jahr.
  • Das jüdische Neujahr (Rosch ha-Schana) findet im Herbst statt.

Der gregorianische Kalender ist nicht „die Wahrheit". Er ist ein System. Ein Konstrukt. Eine kollektive Übereinkunft, die sich durchgesetzt hat – nicht weil sie „richtig" ist, sondern weil sie funktional war.

Und doch: In diesem Moment – genau jetzt – halten Millionen von Menschen gleichzeitig inne.

Sie reflektieren. Sie feiern. Sie ziehen Bilanz. Sie setzen sich Vorsätze. Sie hoffen. Sie fürchten. Sie erwarten.

Das ist nicht das Konstrukt.
Das ist die Schwelle.

Die Schwelle:
Wenn kollektive Energie ein Feld öffnet

Hier wird es interessant.

Denn auch wenn der 1. Januar eine willkürliche Festlegung ist – die kollektive Aufmerksamkeit, die an diesem Tag auf dem Konzept „Neubeginn" liegt, ist real. Sie erzeugt ein energetisches Feld.

Lass mich das präzisieren: Es ist nicht der Kalender, der die Schwelle öffnet. Es ist die synchronisierte Erwartungshaltung von Millionen von Menschen, die in diesem Moment dasselbe tun: Sie markieren einen Übergang.

Das ist keine Esoterik. Das ist Feldphänomenologie.

Wenn genug Menschen gleichzeitig an dasselbe denken, dieselbe Absicht halten, denselben Moment als bedeutsam markieren – entsteht eine kollektive Resonanz. Ein Feld, das größer ist als die Summe seiner Teile.

Du spürst das in der Silvesternacht: Diese merkwürdige Mischung aus Erwartung, Melancholie, Hoffnung, Unsicherheit. Diese Energie ist nicht „eingebildet". Sie ist real – weil sie von einem kollektiven Feld getragen wird.

Das Konstrukt ist nicht die Wahrheit. Aber die Schwelle, die es öffnet, ist real.

Die Falle: Vorsätze, Optimierung und der Selbstbetrug der Neujahrslisten

Jetzt kommt der kritische Teil.

Die meisten Menschen nutzen diese Schwelle nicht, um hinzusehen, was wirklich ist. Sie nutzen sie, um sich vorzumachen, dass ab jetzt alles anders wird.

Die klassischen Neujahrsvorsätze:

  • Mehr Sport
  • Gesünder essen
  • Weniger Stress
  • Mehr Zeit für mich
  • Endlich das Projekt starten

Studien zeigen: 80% dieser Vorsätze sind bis Februar gescheitert.

Warum?

Weil sie nicht aus einer echten inneren Bewegung entstehen, sondern aus einem kalendarischen Zwang. „Das Jahr ist vorbei, also muss ich mich jetzt ändern."

Das ist nicht Transformation. Das ist Performance.

Du spielst das Spiel mit, das die Gesellschaft von dir erwartet: „Neues Jahr, neues Ich." Du schreibst die Liste. Du glaubst vielleicht sogar für ein paar Tage daran. Und dann – kehrt der Alltag zurück. Die Motivation verpufft. Die Vorsätze verstauben.

Warum? Weil sie nie wirklich aus dir kamen.

Sie kamen aus der Erwartung, dass man am 1. Januar „anders" sein sollte.

Die echte Frage: Was bewegt sich – unabhängig vom Kalender?

Hier ist die Alternative.

Statt dich zu fragen: „Was will ich im neuen Jahr erreichen?" – frage dich:

„Was hat sich in mir bewegt – unabhängig davon,
ob das Jahr zu Ende geht oder nicht?"

Denn echte Transformation folgt keinem gregorianischen Kalender.

Manchmal bricht etwas im März auf.
Manchmal setzt sich etwas im Oktober.
Manchmal geschieht der tiefste Wandel an einem völlig unscheinbaren Dienstag im November – ohne Feuerwerk, ohne Countdown, ohne kollektive Aufmerksamkeit.

Die Bewegungen, die wirklich zählen, haben ihre eigene Zeit.

Der Jahreswechsel gibt dir nicht die Bewegung. Aber er gibt dir einen Raum, um das zu sehen, was sich ohnehin bewegt hat.

Der zehnte Mond:
Die Leuchtende Vision als Kompass

Im ERK-System (Elementare Resonanz-Kalibrierung) befinden wir uns noch bis Mitte Januar im zehnten Mond – dem Zyklus der Leuchtenden Vision.

Dieser lunare Zyklus steht für:

  • Klarheit des Geistes
  • Vision – nicht Planung
  • Sehen, was wirklich ruft

Die Synchronizität ist bemerkenswert: Der kollektive Jahreswechsel fällt genau in die Zeit, in der die lunare Qualität des Sehens am stärksten ist.

Nicht: „Was sollte ich tun?"
Sondern: „Was zeigt sich, wenn ich hinschaue?"

Das ist kein Vorsatz. Das ist keine Optimierung. Das ist keine Liste.

Es ist eine Vision – ein inneres Bild dessen, was werden will. Nicht, was du dir vornimmst. Sondern was durch dich geschehen will.

Und das folgt keinem Kalender. Es folgt seiner eigenen Gezeiten.

Aber: Der Raum, den die kollektive Schwelle des Jahreswechsels öffnet, kann dir helfen, das zu sehen.

Wie du die Schwelle nutzen kannst – ohne der Vorsatz-Falle zu verfallen

Hier ist, was ich vorschlage:

1. Erkenne das Konstrukt als Konstrukt

Der 1. Januar ist eine Festlegung. Keine kosmische Wahrheit. Sobald du das verstanden hast, kannst du aufhören, dich unter Druck zu setzen.

2. Nutze die kollektive Schwelle – bewusst

Auch wenn das Datum willkürlich ist: Die Energie, die heute im Raum ist, ist real. Nutze sie. Nicht für Vorsätze, sondern für Klarheit.

3. Stelle die richtige Frage

Nicht: „Was will ich erreichen?"
Sondern: „Was hat sich in mir bewegt? Was leuchtet?"

4. Lass die Vision da sein – ohne sie sofort umzusetzen

Vision braucht keine sofortige Aktion. Sie braucht Raum. Sie zeigt sich, wenn du nicht drängst.

5. Vertraue den natürlichen Zyklen mehr als dem Kalender

Der zehnte Mond endet Mitte Januar. Danach kommt der elfte Mond – der Zyklus der Manifestation. Wenn die Vision sich gezeigt hat, wird die Zeit zum Handeln von selbst kommen.

Ein praktischer Impuls für heute

Falls du heute – am 1. Januar – diesen Artikel liest, probiere Folgendes:

→ Nimm dir 30 Minuten Zeit. Ohne Handy, ohne Ablenkung.

→ Frage dich nicht: „Was sind meine Vorsätze?"
Frage dich: „Was hat sich 2025 in mir bewegt – auch wenn ich es nicht geplant hatte?"

→ Schreibe nicht auf, was du tun willst.
Schreibe auf: „Was leuchtet? Was ruft mich – ohne Rechtfertigung?"

→ Lass es stehen. Du musst nichts damit machen. Nicht heute. Vielleicht auch nie. Manche Dinge wollen nur gesehen werden.

Fazit: Das Konstrukt ist nicht die Wahrheit – aber die Schwelle ist real

Der gregorianische Kalender ist eine Erfindung.
Der 1. Januar ist eine Festlegung.
Die Idee, dass „jetzt alles neu beginnt", ist eine Illusion.

Aber:

Die kollektive Energie dieses Moments ist real.
Die Schwelle, die sich öffnet, ist real.
Die Möglichkeit, hinzusehen, ist real.

Nutze sie. Nicht für Performance. Nicht für Optimierung.
Sondern für Klarheit.

Denn was wirklich zählt, folgt keinem päpstlichen Dekret.
Es folgt dem, was in dir leuchtet.

Willkommen im neuen Jahr. Oder einfach:
Willkommen im nächsten Moment.

alexander


P.S.: Falls du tiefer mit den natürlichen Zyklen arbeiten möchtest – hier auf der Webseite findest du weitere ERK-Materialien zum zehnten Mond und der Leuchtenden Vision. Sie sind keine Technik. Sie sind eine Erinnerung daran, dass es Rhythmen gibt, die älter sind als jeder Kalender.

Von

alexander Wagandt

  • Ich kann dem Artikel nur in vollem Umfang zustimmen.
    Selten spüre ich so klar wie gestern / heute, wie mich diese Künstlichkeit in keinster Weise mehr „berührt“. Außenstehende würden mich deshalb vielleicht als Langweiler, Eigenbrödler oder Sonderling bezeichnen, doch es ist eine innere Entkopplung, wie ich sie in so vielen Bereichen auf meinem Weg entdeckt habe.
    Niemals könnte da ein „ach komm, hab‘ doch Spaß und mach mit“ oder Ähnliches gegen ankommen. Oder ganz salopp ausgedrückt: es ist wie wenn man pinkeln muss. Da zu sagen „ach das blende ich jetzt einfach aus“ oder „streich‘ doch diesen Gedanken für heute“ funktioniert nicht 🙂

    So viel „Sonderheit“ in mir, verschiebt mich leider auch immer mehr aus dieser Gesellschaft. Nicht aus Unbeliebtheit oder Abneigung. Nein. Ich denke es ist etwas Subtileres, sanft und doch extrem wirkmächtig: Resonanz. Bzw. in diesem Fall die Nicht-Resonanz / Gegenschwingung wie auch immer. Deshalb bin ich den Menschen auch nicht böse.

    Es tut aber dennoch oft genug sehr weh.

    Vielelicht gibt es ja jemanden, der Nachvollziehbarkeit / Verständnis in meinen Worten findet.

    Viel Freude mit diesem Zahlenwechsel, in 3 Tagen mahlen die Mühlen des Alltags eh wieder auf Hochtouren 😅

    marcel

    • Lieber Marcel, du sprichst mir aus dem Herzen – genauso empfinde ich es auch.
      Gleichzeitig werden wir „Sonderlinge“ einander immer näher kommen – ebenfalls durch Resonanz.
      Und dann feiern wir neue Feste (oder uralte) und leben unsere Freude in neuen Gemeinschaften….

    • Mach Dir keine Sorgen, Du bist nicht der Einzige, dem es so geht. – Mir geht das schon Jahrzehnte so 😉 und diese Nicht-Resonanz hat in der Corona-Zeit bei mir die Entfernung zu meiner Umgebung nochmals verstärkt. Über das Weh-tun bin ich lange hinaus. Seit vielen Jahren genieße ich das All-ein-sein. Es gibt mir die Gelegenheit, mich mit meiner inneren Stille zu verbinden und entbindet mich von vielen ungeliebten Verpflichtungen im zwischenmenschlichen Kontext. Stattdessen pflege ich die Gemeinschaft mit der Natur und der „Quelle“. Das erfüllt mich mehr, als jede oberflächliche Begegnung mit den meisten Menschen. Wenn es denn mal zu einer wirklichen Begegnung mit einem Menschen kommt, ist diese qualitativ hochwertig und kann den Raum einnehmen, den ich ihr geben möchte, ohne dass der Lärm der oberflächlichen Massenmenschen das stört. – Klasse ist wichtiger als Masse, also Kopf hoch, Marcel, Du bist sicher auf einem guten Weg.

  • Ich sage einfach nur Danke Alexander für das und all das zuvor. Es bereichert und tut gut. Das was du schreibst spüre ich schon länger sowie meine Entkopplung, meinen Neubeginn ohne Planung , ohne Zeit, es kommt und es geht aber es bleibt und wächst. Ich spüre eine wachsende Unerträglichkeit mit dem Außen, was mich aber nicht zur Flucht ins Innere zwingt sondern immer mehr auch durch Geduld und Erkenntnis im Gleichgewicht hält und mich neu sichtbar macht. Das hört nie auf und ist spannend.
    Ein toller Neubeginn euch allen😊

    Constanze

  • Ich kann mich nicht erinnern, jemals „gute Vorsätze“ für ein neues Jahr gefasst zu haben. Vielleicht als Kind, aber je älter ich wurde, kam die Erkenntnis , dass das mit den Vorsätzen sowieso nicht funktioniert. Ein neues Jahr war für mich so etwas , wie ein neues Schulheft, welches man möglichst lange, ohne Schreibfehler führen wollte, was aber meist auf der zweiten Seite schon vorbei war. Ich war allerdings immer neugierig darauf, was im neuen Jahr auf mich zukommen wird. Lieber Alexander , danke für den Impuls.

  • Danke Alexander, wie immer ist auch dieser Beitrag bereichernd. Seit dem Kindesalter verspüre ich am Neujahrstag stets einen Tatendrang, eine Motivation, zu entrümpeln, auszusortieren und loszulassen. Es fühlt sich frisch und verlockend an – das neue Jahr. Wie eine schneebedeckte Wiese, in die ich als Erste einen Fußabdruck setzen darf. Oder ein leeres Schwimmbecken mit ruhiger, glatter Oberfläche, in das ich einen kraftvollen Kopfsprung machen darf. Das ist kein gefasster Vorsatz, eher ein innerer Drang, Altes loszulassen -materiell sowie auch feinstofflich. Nachdem die Kinder flügge wurden habe ich die letzten Jahre als Krankenschwester an Sylvester immer im Nachtdienst in einer Pflege-WG gearbeitet, da ich nicht feiere, eben weil es ein Konstrukt ist, das willkürlich festgelegt wurde. Meine Oldies in der WG gehen alle zeitig ins Bett, denn ein 92. Sylvester wird nicht spannender 😅. Dem fühlte ich mich immer näher, als den Partys. Und wenn dann alle schlafen habe ich Stille und Zeit, ein Resümee zu ziehen, oder auch mal eine Hand zu halten. Vorsätze haben bei mir nie funktioniert, aber: Wenn etwas in mir sich verändert und ich in der Veränderung eine Konstante beobachte, dann spreche ich das beim Wandern laut aus. Und ab dem Moment wird irgendwas Kraftvolles in mir von der Leine gelassen und nimmt die Fährte auf. So habe ich nach 3 selbst gewählten Single-Jahren im Sommer gespürt, dass ich mir wieder Nähe wünsche und habe im November alleine im Wald ausgesprochen, dass ich nun bereit für eine neue Begegnung mit einem Mann bin. Und prompt lerne ich 1 Woche später bei einem Wasserschaden einen Handwerker mit ähnlichen Hobbies (Fernwandern mit Zelt) kennen und nun gehen wir 2 jede Woche zusammen wandern, erzählen und genießen unsere Gesellschaft. Vorsätze haben keine Wurzeln bei mir. Erst kommt der Trieb, der mich umtreibt, dann bricht er durch die Oberfläche und wenn er eine erkennbare Pflanze ist, dann heiße ich ihn laut und deutlich willkommen, damit er gedeihen kann. 🌱🌳
    Ich danke Dir, lieber Alexander für Deine Arbeit, Deine Ideen, Dein Wirken ✨
    Silke

  • Werter Alexander – das berührt mich tief – und ich habe das gestern in der Begegnung so beschrieben so empfunden. Es bleibt das „entlernen“ loslassen von alten Mustern die ich seit meiner Kindheit “ eingepflegt “ habe um nicht außgegrenzt zu werden aber immer mehr wurde mir diese „Falle der guten Vorsetze “ klar und ich konnte dieses Jahr humorvoll draufschau und mich rückbesinnen an all die verschieden Jahres Abschlüsse und ihre Erfahrungen und Wirkungen wie Filme die gelebt werden mussten bis es zu dieser Erkenntnis kam. Wenn ich jetzt – den Augenblick – betrachte bin ich viel tiefer verbunden mit den Impuls der Zeitqualität dem Kairos der mich verbindet in die wahren Momente die bleiben und das Feld nachhaltig bestellen. In meinem meinem Skizzenbuch sehe ich die Prozesse die Erkenntnisse und die Wirksamkeit der Tagesqualitäten und welche Auswirkungen es auf den Lebensgang haben. In der Interaktion mit Menschen den Begegnungen den Umgang mit der entgegenstehenden Welt (Hugo Kuegelhaus) wir die grösse des Raums erahnbar und macht mich demütig und befreit mich aus diesen Zwängen den Duktus einer Matrix – im innen – wie im außen permanent folgen zu müssen. Es ist wie ein tiefer innerer schrei der die Resonanz der FREIHEIT ahnen kann. Es ist ein Anfang und macht Mut die selbstgesetze Struktur trozig und willendlich umzusetzen „die schau der 13 Monde “ hilft mir sehr … die Qualitäten des eigenen Seins mit dem Ganzen zu verbinden – oh ha – ich bin ja nicht allein ! Wir sind viele und so beginnt das Systemische sich zu verändern ! Ein kraftvolles Feld entsteht – bleibt und wirkt !Ich grüsse Euch alle die diese Reise „gebucht “ haben .
    herzlichen Dank für deine Arbeit ! a

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