Er gibt dem, was nicht her gehört, keine Wahl


Kein anderes Mittel der europäischen Volksmagie ist so breit belegt wie Knoblauch als Austreiber.

Slawisch, germanisch, mediterran überall findet sich dieselbe Grundaussage: Knoblauch treibt raus was nicht gehört. Nicht behutsam. Nicht sanft. Er macht das Fremde unwohl und gibt ihm keine Wahl.

Das klingt archaisch. Ist es auch. Die meisten denken bei Knoblauch an Vampire und lächeln. Was dabei untergeht: Die Vampir-Überlieferung ist nur eine Variante eines viel älteren Musters. Knoblauch taucht in Schutzrezepten auf, lange bevor jemand das Wort Vampir kannte. Nicht als Symbol sondern als konkreter Wirkstoff.

Im Sieben-Sud übernimmt er die Austreibung. Beifuß macht sichtbar. Essig löst die Haftung. Wacholder hält die Grenze. Knoblauch treibt durch diese Grenze hindurch nach draussen.

Jede Zutat hat ihre Stelle in der Abfolge. Knoblauch ohne Wacholder wäre Austreibung ohne Grenze das Fremde geht, aber nichts hindert es daran wiederzukommen. Wacholder ohne Beifuß wäre eine Grenze gegen etwas Unsichtbares. Die Abfolge ist die eigentliche Intelligenz des Rezepts.

Eine Zehe. Zerdrückt. Rein in den Topf.

Zutat fünf von sieben. Es folgen die beiden Letzten.

Von

alexander Wagandt

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