Wo er wächst, ist eine Grenze

Artemisia vulgaris. Er wächst an Wegrändern, an Zäunen. Er wächst an Schwellen.

Das ist kein Zufall.

Beifuß ist seit der Keltenzeit die Pflanze der Übergänge — zwischen Tag und Nacht, zwischen innen und außen, zwischen dem was man weiß und dem was man noch nicht sieht. Wo er wächst, da ist eine Grenze. Und wo eine Grenze ist, da braucht es etwas das sichtbar und erkennbar macht was sich dort sammelt.

Genau das tut Beifuß.

Im Sieben-Sud steht er am Anfang der eigentlichen Arbeit — nach dem Salz, das den Rahmen setzt. Weil ohne Beifuß das Fremde unsichtbar bleiben würde. Er öffnet die Wahrnehmung für das, was sich angelagert hat. Er macht es greifbar — und damit lösbar.

Geräuchert öffnet er den Raum. Das kennen viele. Was weniger bekannt ist: Im Sud — also als Aufguss, der getrunken wird — öffnet er das Feld. Die Wirkrichtung geht nach innen statt nach außen.

Die Volksmagie hat selten erklärt warum etwas wirkt. Sie beschreibt eher was zu tun ist. Die Anwendung variiert dabei. Die Funktion bleibt stets dieselbe: Sichtbar machen was sich angelagert hat.

Wer ihn weglässt, braut zwar einen Kräutertee. Aber keinen Sieben-Sud.

Zutat zwei von sieben.
Die Reihenfolge ist kein Zufall.

Von

alexander Wagandt

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