E-Mails mit rotem Ausrufezeichen, Push-Benachrichtigungen, die nicht warten können. In dieser Lauschzeit: Matrix-Minute enthülle ich die Dringlichkeits-Spirale – ein System, das dich permanent im Reaktionsmodus hält und verhindert, dass du wirklich gestaltest.


Reflexionsteil zum Podcast

Wie oft hast du heute schon das Wort dringend gehört? Eine E-Mail mit rotem Ausrufezeichen. Eine Nachricht mit ASAP. Eine Push-Benachrichtigung, die nicht warten kann. Ein Countdown: Nur noch heute!

Und du reagierst. Natürlich. Weil es dringend ist.

Aber halt. Wer entscheidet, was dringend ist?

Die Dringlichkeits-Spirale ist eine der effizientesten Formen der Aufmerksamkeitsbindung. Sie funktioniert nicht durch Zwang, sondern durch Konditionierung.

Die Mechanik in drei Schritten:

1. Dringlichkeit als Standard.
Früher war "dringend" eine Ausnahme. Heute ist es der Normalzustand. Jede E-Mail kann als "wichtig" markiert werden. Jedes Produkt "nur noch heute" verfügbar sein. Rote Markierungen. Ausrufezeichen. Countdowns.

Das Ergebnis: Du verlernst, zwischen wirklich Dringendem und künstlich erzeugter Dringlichkeit zu unterscheiden.

2. Reaktion statt Gestaltung.
Wenn alles dringend ist, bist du permanent im Reaktionsmodus. Dein Tag wird fremdgesteuert – durch die Dringlichkeiten anderer. Du bearbeitest, was laut ist. Was schreit.

Aber das Wichtige?
Das schreit nicht.
Es wartet.
Geduldig.
Leise.

Am Ende des Tages fragst du dich: Was habe ich heute eigentlich getan?
Und die Antwort ist: Reagiert. Nur reagiert.

3. Die Spirale dreht sich schneller.
Je mehr du auf Dringlichkeiten reagierst, desto mehr kommen nach. Das System lernt: Diese Person antwortet sofort. Also schickt es mehr.

Du wirst konditioniert: Schnell reagieren = gut. Warten = unverantwortlich.
Die Spirale beschleunigt sich. Du wirst schneller. Verfügbarer. Erschöpfter.

Und genau hier liegt die Funktion: Die Dringlichkeits-Spirale bindet deine Aufmerksamkeit im Außen. Sie hält dich in der Reaktion. Sie verhindert, dass du fragst: Ist das wirklich wichtig? Oder nur dringend?

Denn – und das ist der Kern – dringend ist nicht wichtig. Die meisten Dringlichkeiten sind künstlich erzeugt. Sie dienen nicht dir. Sie dienen dem System. Sie halten dich beschäftigt. Reaktiv. Fremdgesteuert.

Aber echte Wichtigkeit? Sie braucht keine Eile. Sie braucht Raum. Klarheit. Aufmerksamkeit.

Eine einfache Übung für heute:
Beobachte jede Dringlichkeit, die auf dich zukommt.
Und bevor du reagierst, frag dich:

  • Wer sagt, dass das dringend ist?
  • Ist das wirklich wichtig – oder nur laut?

Dann: Entscheide bewusst.
Reagiere ich – oder lasse ich es warten?

Das ist der Ausstieg aus der Spirale. Das ist Rückeroberung deiner Aufmerksamkeit.

Von

alexander Wagandt

  • Super wichtiger Hinweis, vielen Dank lieber Alexander, Zeit und Energie werden gebunden, für nonsense…

  • Danke Alexander die Antwort zu Alexanders Podcast dringend? Ich spüre in mich hinein und denke , ja schon sonst vergesse ich darauf zu antworten, denn Anderes wartet auch schon mit Dringlichkeit. Da ich aber gut abwäge und noch nicht vergessen habe was für mich wirklich wichtiger, interessanter und nicht dringlich ist, muß das andere Dringliche warten oder wird garnicht beachtet. Das äußere „Dringende“
    bringt mich nur etwas durcheinander wenn es beginnt zu drohen, weil es nicht so einfach hinnehmen kann, dass ich es nicht als wichtig erachte. Dort muß ich noch etwas üben. 😉
    Danke Alexander und gerne weiter deine Podcasts !

  • Lieber Alexander, das ist ein guter Impuls und auch mir sind diese endlosen dringenden und lauten Dinge schon aufgefallen. Ich mag das Podcast-Format, wo auch immer Du es mit uns teilen magst. Herzlich Christina

  • Interessant. So wie Alexander es beschrieben hat lebe ich schon einige Jahre und es tut so gut selbstbestimmt zu sein und sich dessen bewusst zu sein.
    Auch ich habe anders gelebt. Immer zur Verfügung stehen, als einer der ersten dabei zu sein – und sich soweit von sich selbst zu entfernen, sich nicht mehr zu fühlen vor lauter „hallo, Aufmerksamkeit, hier bin ich “
    Rückblickend sehr traurig und doch war es wohl „wichtig“ für mich selbst.
    Danke

  • Danke Alexander – habe erst jetzt deinen Podcast angehört… Gab’s Dringlicheres???
    Wie auch immer, ich bin dankbar für dieses Format, bitte Weitere davon! Zudem ist dieses „an die Hand genommen werden in der Gründlichkeit der Reflexionen“ eine grosse Wohltat in verstrubbelten Zeiten der dahin vagabundierenden Seele, die sich auf diese Art gerne einfangen lässt!

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